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Einführung in die Philosophie des Geisteslebens. (German) JFM 39.0077.02

Leipzig: Quelle & Meyer. VIII u. 197 S. \(8^\circ\) (1908).
Es ist wohl nicht ein zufälliges Zusammentreffen, daß von der Lehrkanzel der Philosophie an der Jenenser Universität, wo Haeckel die Darwinsche Entwicklungstheorie unentwegt weiter fortgebildet hat, der innere Gehalt dieser Theorie als bleibendes Gesetz für den Aufstieg der Entwicklung der Menschheit angenommen und verkündigt wird. Den Inhalt des Buches, das jeden Liebhaber einer universalistischen Auffassung alles Geschehens fesseln muß, geben wir mit den Worten des Verf. (S. 14 u. 15) wieder.
“Eine Behandlung der Geschichte, die mit der Verfolgung des Werdens und Wachsens des Geisteslebens im Bereiche der Menschheit einen Standort für die philosophische Arbeit sucht, läßt sich in verschiedener Weise unternehmen. Wir möchten es in der Weise tun, daß wir einzelne Hauptlinien hervorheben, die Probleme aufweisen, die in ihnen stecken; die Bewegungen, Erfahrungen, Eröffnungen des Lebens zeigen, die bei ihnen erfolgten. Wir mögen uns dabei äußerlich ganz der Geschichte hinzugeben scheinen, unser Augenmerk bleibt stets auf die Philosophie gerichtet. Was die Geschichte brachte, das gilt uns hier nicht als bloße Vergangenheit, sondern wir suchen es in lebendige Gegenwart zu stellen und zugleich daraus Anhaltspunkte wie für die Richtung des Geisteslebens, so für die Philosophie zu gewinnen …. Wir ordnen dabei die Abschnitte so, daß wir von allgemeinen Umrissen mehr und mehr zu einem näheren Inhalt fortschreiten und so den Charakter wie die Forderungen des Ganzen immer deutlicher hervortreten lassen. So seien nacheinander die Probleme von Einheit und Vielheit, von Ruhe und Bewegung, von Außenwelt und Innenwelt, es seien ferner das Wahrheitsproblem und das Glücksproblem behandelt. Ihrem Stoff nach sei unsere Untersuchung darauf beschränkt, die Bewegung vom Aufbau der griechischen Kultur bis zur Gegenwart zu verfolgen. Das nicht bloß, weil uns das äußerlich am nächsten liegt, sondern auch, weil kein anderer geschichtlicher Zusammenhang so viel geistige Bewegung enthält, eine solche Fülle des Lebens hervorgebracht und unter gewaltigen Umwälzungen so viele Erfahrungen gemacht hat.”
Indem also der Verf. das Ringen der Menschheit um die Lösung der höchsten Fragen schildert, die Stärke und die Schwäche der einzelnen Richtungen scharf kennzeichnet, gelangt er zu den Problemen, die gegenwärtig die Menschheit bewegen. “Ein Volk, das Männer wie Eckhardt und Leibniz, Kant und Hegel und so manche anderen geistesverwandten Denker hervorgebracht hat, wird das Verlangen nach einer Philosophie nicht aufgeben können, welche die Wirklichkeit von innen her und aus dem Ganzen zu sehen sucht, und die inmitten ernster und mühevoller Forschung nach einer Erhöhung des gesamten menschlichen Lebens strebt.”