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L’“affaire” de l’académicien Luzin de 1936. (The “affair” of Academician Luzin of 1936). (French) Zbl 0695.01025
Die Affaire Luzin von 1936 spiegelt sich vor allem in einer Reihe von Artikeln, die in der Prawda zwischen dem 2. Juli und dem 6. August 1936 veröffentlicht wurden. Luzin war schon 1931 als mitverantwortlich für die angeblich auf idealistisches Gedankengut zurückzuführende Grundlagenkrise der Mathematik kritisiert worden. Er wurde nach einem von ihm unter dem Titel “Eine angenehme Enttäuschung” veröffentlichten Zeitungsbericht vom Juni 1936 über seine Einschätzung der mathematischen Leistungen von Schülern einer Moskauer Oberschule zur Zielscheibe eines von höherer Stelle dirigierten Angriffs in der Prawda, der in der “Demaskierung” Luzins als Feind der Sowjetunion und der Forderung an die Sowjetische Akademie der Wissenschaften gipfelte, die Fortsetzung der Mitgliedschaft von Luzin zu überprüfen. Die Autoren begnügen sich mit der Feststellung, daß Luzin stellvertretend für die aus der zaristischen Zeit stammende sowjetische Intelligenzija kritisiert wurde, und daß der Angriff auf Luzin im Zusammenhang mit den im August 1936 einsetzenden großen Schauprozessen gegen die “Trotzkisten” Sinowjew und Kamenjew zu sehen ist. Der Nachweis eines solchen Zusammenhangs und die Einordnung der Stellungnahmen für Luzin etwa durch Briefe von P. L. Kapiza an W. M. Molotow als Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare und von A. Denjoy an den Botschafter der Sowjetunion in Paris in den größeren Rahmen des Gegensatzes zwischen internationalen und nationalen Tendenzen in der Entwicklung von Naturwissenschaften und Mathematik fehlt. Er hätte eine historische Bewertung und Einordnung der hier nur referierten Quellen ermöglicht.
Reviewer: I.Schneider

MSC:
01A80 Sociology (and profession) of mathematics
01A60 History of mathematics in the 20th century
Biographic References:
Luzin, N. N.
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