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Fifty years of American mathematics. (English) JFM 64.0003.04
Semicent. Adresses Amer. math. Soc. 2, 270-315 (1938).
Der amerikanische Anteil an der Entwicklung der Mathematik ist in den letzten Jahrzehnten ganz erheblich gestiegen; der durch diese Rede vermittelte geschichtliche Rückblick auf ein halbes Jahrhundert amerikanische Mathematik darf daher bei jedem Mathematiker Interesse beanspruchen.
Die Neigung zur Eleganz und Abstraktion ist ein steter Wesenszug der amerikanischen Mathematik; beides war dem ersten großen Vorläufer der Epoche, Benjamin Pierce († 1880) besonders eigen. Die “kolonialen Zeiten” gingen zu Ende, als 1882 mit der Gründung der Universität Chicago ein mathematisches Department unter der Führung von E. H. Moore, Bolza und Maschke entstand und als zur selben Zeit Osgood und Bôcher in Harvard zu lehren begannen. Bald entwickelten sich noch andere Mittelpunkte mathematischen Schaffens, so Princeton mit den Professoren Eisenhart, Veblen und Wedderburn, welches 1930 durch die Gründung des Institute for Advanced Study eine besondere Stellung erlangte, und andere, nicht weniger bedeutende. Die Spitzengruppe wird heute gestellt von den Mathematikern G. A. Bliss, L. E. Dickson, G. C. Evans, S. Lefschetz, R. L. Moore, Marston Morse, J. F. Ritt, M. H. Stone, N. Wiener (wozu ohne Zweifel auch der Verf. zu rechnen ist). Dazu gesellt sich eine große Zahl erst in letzter Zeit aus den verschiedenen europäischen Ländern eingewanderter Mathematiker. Wenn der Verf. diesen geistigen Zuwachs auch zu schätzen weiß, so verhehlt er nicht die Gefahr, welcher der versprechende amerikanische wissenschaftliche Nachwuchs dadurch ausgesetzt ist, nämlich in Stellungen abgedrängt zu werden, wo eine schwere Bürde von Unterrichtstätigkeit vertiefte Forschung verhindert und die jungen Mathematiker zu “hewers of wood and drawers of water” macht.
Sieben Zeitschriften, regelmäßige Tagungen, Colloquium- und Gastvorlesungen der AMS. sorgen für Austausch und Verbreitung neuen wissenschaftlichen Gedankengutes. Der Verf. beurteilt die gegenwärtige Lage für sehr günstig; er findet aber auch verpflichtende ernste Worte an Studenten und Dozenten, sich der großzügigen Förderung, die die Mathematik durch die amerikanische Öffentlichkeit erfahren hat, würdig zu erweisen, und erinnert besonders an die Pflege des Elementarunterrichts.
Verf. gibt sodann einen Überblick der Leistungen der amerikanischen Mathematiker im einzelnen, in der symbolischen Logik und Axiomatik, in der Algebra und Arithmetik, in der Analysis (Funktionalanalysis, Funktionentheorie, Variationsrechnung, Potentialtheorie, lineare Differential- und Differenzengleichungen, gewöhnliche Differentialgleichungen, spezielle Analysis), in der Geometrie und in der angewandten Mathematik.